Schnurps - Verein der Freunde und Förderer des Barbara Denkmals

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:



Unter unseren öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten (letzte Hier-Aufzählung anklicken: + Das Barbara-Denkmal gewinnt!) druckten wir den Aufsatz der Schülerin Klara Müller vom Eichendorff Gymnasium ab, mit dem sie sich an einem internationalen Schülerwettbewerb zur Geschichte ihrer Stadt beteiligte. Sie hatte damit einen Schüleraustausch mit der französischen Partnerschule in Nevers gewonnen, wo sie auch das Projekt Barbara-Denkmal vorstellte. Hierüber, aber vor allem über die Geschichte des Barbara-Denkmals, schrieb sie jetzt einen Aufsatz für die Schülerzeitung "Schnurps", den wir mit Genehmigung der Verfasserin für Änderungen an zwei Stellen, leider
ohne die von ihr sorgfältig getroffene Bebilderung hier wiedergeben.




Als Barbara in unsere Familie kam

Mein Name ist Klara und ich bin in der 8. Klasse. Am Comenius Projekt mußte ich unbedingt mitmachen! An einem Austausch mit französischen Schülern teilnehmen... das lockte schon sehr. So sehr, dass ich meine ganze Familie damit infizierte.
Einen Platz in Koblenz finden, den ich für das Thema -TOWNS past present future- ausarbeiten konnte. Hm, das Deutsche Eck? Den Schängelbrunnen? Die Festung??? Das sind ja nun begehrte und bekannte Plätze, die sicherlich schon von anderen Schülern bearbeitet wurden. Ich wollte etwas finden, was relativ unbekannt, aber für Koblenz doch bedeutend war. Die berühmte Nadel im Heuhafen unserer Heimatstadt.
Eines Morgens beim gemütlichen Samstagsfrühstück entdeckte ich in der RheinZeitung, die meine Mutter gerade offen abgelegt hatte, die Anzeige: Freunde und Förderer des Barbara-Denkmales suchen Sponsoren.. Barbara Denkmal???? „Mama, wo steht denn in Koblenz das Barbara-Denkmal?"
Großes Rätselraten.
Aber wofür gibt es das Internet? Schnell wurde ich fündig und mein Interesse an Barbara war sofort geweckt. Eine Mail an den Verein... und:
Ja, da war sie nun, die Hl. Barbara – mitten in unserer Familie, mitten in meinem Interesse und Dreh- und Angelpunkt für meine Arbeiten des Comenius-Projektes.
„Barbara von Nikomedien" war eine junge Frau aus dem 3. Jhd., die laut Überlieferung eine Märtyrerin war. Trotz der unvorstellbar schrecklichen Folterungen und grausamen Misshandlungen durch ihren eigenen Vater ließ sie sich nicht vom christlichen Glauben abbringen.
Heute ist sie die Schutzpatronin für so viele Menschen: z.B. für die Feuerwehr und Pyrotechniker, für das THW und die Bergleute und für die Artilleristen...
Noch heute gedenken wir der hl. Barbara durch einen schönen Brauch. Im Dezember schneidet man meist Zweige von Obstbäumen oder Forsythiensträuchern und stellt diese in einer Vase in die Wohnung. Zu Weihnachten sollen sie dann erblühen und Freude und Licht in die sonst düstere Jahreszeit bringen …. und Glück im kommenden Jahr. Und aufgepasst: Mädchen gaben damals den einzelnen Zweigen die Namen ihrer Verehrer. Der Zweig, der zuerst erblühte, war der sichere Hinweis auf den zukünftigen Bräutigam!!! Am 4. 12. Barbara Tag!!!

Doch was haben nun Barbara, die Artillerie und die blühenden Zweige mit Koblenz,  dem Verein und dem Ehrenvorsitzenden zu tun??? (Zitat)
„Nun, dann geht mal vor unsere Schule. Auf den Friedrich Ebert Ring, mit Blick auf die Pfaffendorfer Brücke. Dort am Ende der großen Straße stand damals das imposante Denkmal. Nun versetzt Euch in die Zeit um 1900. Der Friedrich Ebert Ring hieß damals noch Kaiser Wilhelm Ring und unsere Schule war das Kaiser Wilhelm Realgymnasium und Realschule von Coblenz. Eine wunderschöne Prachtstraße war der Kaiser Wilhelm Ring, mit vielen großen Bäumen in den Grünanlagen. Alte Fotoaufnahmen und Postkarten dokumentieren die wunderschönen historischen Fassaden der Gebäude rund um den Kaiser Wilhelm Ring."
Koblenz, damals die von den Veteranen bewusst ausgewählte Stadt an Rhein und Mosel, sollte der Standort des Barbara-Denkmales werden. Es sollte das Ehrenmahl für die Gefallenen des Rheinischen Feldartillerie Regiments Nr. 8 werden. Dieses Regiment war von 1820 bis 1887 in Koblenz stationiert und in den deutschen Einigungskriegen 1866 und 1870/71 eingesetzt.

1907 wurde das wunderschöne und auch große (12 m breit, 9 m hoch und 10 m tief) Denkmal mit Brunnen und zahlreichen Wasserspeiern feierlich eingeweiht. Drei Tage lang feierten die stolzen Koblenzer. Vom kleinsten Lausbub ( die Schängelchen gab es ja erst später) bis zu den bekanntesten Koblenzer Köpfen – alle waren auf den Beinen. Fein herausgeputzt besuchten sie die Gottesdienste in St. Kastor und in der Christuskirche und nahmen an zahlreichen Feierlichkeiten rund um das Barbara-Denkmal teil. Die damaligen Zeitungsberichte zu diesem Ereignis und die damit verbundenen Diskussionen waren Seiten füllend – die Errichtung eines Denkmales, das damals schon den großen Wunsch nach Frieden symbolisieren sollte, interessierte die Menschen weit über Koblenzer Grenzen hinaus.
Denn, und das ist das Interessante, die hl. Barbara wurde von dem Münchner Bildhauer, Künstler und sicherlich auch Visionär Georg Schreyögg zwar als zentrale Figur, aber nicht alleine auf einen großen Sockel aus Muschelkalk gesetzt. Zu ihren Seiten - rechts und links - waren die Figuren „Krieg und Frieden" platziert.
Die hl. Barbara hält in ihrem linken Arm einen Palmzweig und mit der rechten Hand verschließt sie die Mündung der Kanone neben sich. Die Darstellung der allegorischen Figuren Krieg und Frieden mit jugendlichen Zügen drückt zunächst Hoffnung aus in dem Sinne: Jugend bedeutet Zukunft. Die männliche Figur
Krieg sitzt ruhig und entschlossen, mit der Hand auf dem Schwert ruhend – und nicht am Griff! Man erkennt keinerlei Aggressivität oder Gewaltbereitschaft beim Krieg. Dass die hl.Barbara die Kanonenmündung zuhält, scheint, seiner Haltung nach zu urteilen, in seinem Sinne zu sein. Die weibliche Figur Frieden hält einen Lorbeerkranz und gewährt mit dieser Geste dem Frieden den Vorrang.
Das Denkmal oder Mahnmal für die Gefallenen ist also eine Friedensbotschaft und symbolisiert die früher wie heute schwierige Entscheidung für friedliche oder kämpferische Lösungen von Konflikten zwischen Völkern und Staaten. Ein aktuelles Thema, welches uns täglich auf der ganzen Welt begegnet!

Bemerkenswert finde ich persönlich die Tatsache, dass im 2. Weltkrieg das Denkmal im sonst so zerbombten Koblenz kaum beschädigt war und dass die Amerikaner und Franzosen nach den beiden Kriegen das Denkmal unangetastet stehen ließen.

Und was läutete nun das Ende dieses historischen Denkmales ein???
Die Entscheidung der Stadt Koblenz in den 50 iger Jahren, den Autoverkehr vor der neuen Rhein-Mosel-Halle neu zu regeln. Und da war das Denkmal im Wege!
Es wurde ohne Planung einer Wiedererrichtung entfernt, zwar ordentlich abgebaut und im Bauhof gelagert, allerdings zwischendurch auch über 20 Jahre regelrecht vergessen. In den mehr als 40 Folgejahren nach dem Abbau wurden die Denkmalteile dreimal eher unsachgemäß umgelagert und dabei erheblich beschädigt.
Teils zugeschüttet und mit Unkraut bewachsen, so fanden es die Vereinsmitglieder 2010 wieder... ein einstmals stolzes, prächtiges Bauwerk und Zeitzeuge vergangener Jahrzehnte Koblenzer Baukultur, ein Denkmal für die Gefallenen und in seiner Aussage Symbolträger für friedliche Lösungen als Aufgaben in der Zukunft.
Dies alles und viel weiteres Interessantes erfuhr ich von dem Verein der Freunde und Förderer des Barbara-Denkmals. Ich wurde mit zahlreichen Fotos und Zeitungsberichten versorgt. Ich wurde bestärkt, mich mit dem Thema „Barbara-Denkmal" für das Comenius-Projekt auseinanderzusetzen.
Ich traf mehrfach Vorstandsmitglied Albrecht Golomb und den heutigen Ehrenvorsitzenden, Herrn General    Anton Steer. Sie motivierten mich, mich mit dem Thema "Barbara-Denkmal" und all seinen Facetten auseinander zu setzen. Ich lernte viel über Erinnerungsgemeinschaften und Verantwortung, über Krieg und Frieden, über Vergangenheit und Vergessen und über Menschen, die sich heute intensiv für die Wiedererrichtung des Barbara-Denkmales einsetzen, Menschen die Sponsoren suchen, die Fakten zusammentragen - und dass man mittels Anzeigen in der RheinZeitung nach dem verschollenen Kopf der Barbara suchte... (werft doch mal einen Blick in Nachbars Garten oder in den nächsten Antikmarkt).
Und leider erfuhr ich auch, wie wenig Koblenzer Bürger und Mitschüler von dem Denkmal wissen!
Letztendlich gewann ich mit meiner Arbeit für das Comenius-Projekt die Teilnahme am Frankreichaustausch im Mai!!! Über die gelungenen Wochen des Austausches werde ich an dieser Stelle nicht berichten. Sonst würde der Artikel noch länger werden....
Wie geht es weiter mit Barbara ?? Eine gute Nachricht: Das Denkmal wird auf Grund des Beschlusses vom Koblenzer Kulturausschuss wieder errichtet!
Der neue Standort des Denkmales, welches noch in einigen Teilen beim Restaurator Herrn Pung in der Werkstatt steht, wird wieder der Friedrich-Ebert-Ring sein. Etwas versetzt, mehr auf der Höhe der Kreisverwaltung. 2014 wird als Termin genannt. Ein touristischer Magnet wird es ohne Zweifel werden. Ein „blühender Zweig" im Stadtbild von Koblenz!
Ich freue mich darauf, es als Schülerin des Eichendorff Gymnasíums erleben zu können – so wie es vor mehr als 100 Jahren die Schülerinnen und Schüler des Kaiser Wilhelm Gymnasiums erlebt haben. Ich hoffe, noch mehr Menschen mit diesem Denkmal und seiner Geschichte zu begeistern und anzuregen, sich positiv mit dieser Koblenzer Geschichte zu beschäftigen und Verantwortung für dieses kulturelle Erbe zu übernehmen.
Für weitere Informationen über bisherige und zukünftige Aktionen des Freundeskreises verweise ich auf deren Homepage www.vff-barbara.de. Dort fand ich auch viele Daten und Fakten für diesen Bericht. Ich möchte mich an dieser Stelle bei Herrn Golomb, Herrn General Steer und auch Herrn Schütz für ihre Unterstützung und ihr Interesse an meinem Projekt bedanken und wünsche dem Verein weiterhin viel Erfolg u.a. bei der Suche nach Sponsoren, denn es fehlen noch viele Euros!

Die hl. Barabara und ihr Koblenzer Denkmal wird weiterhin in unserer Familie präsent sein, so schlug mir doch meine Tante aus Köln vor, das Denkmal auf unserer kleinen Straße in Kobern zur Probe aufbauen zu lassen...


Klara Müller




 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü